VELTEN WAGNER Zitat (über Marc Gröszer) aus dem Ausstellungs-Katalog “EARLY BIRDS”…

„Wer von der Figur oder der kontextuell gebundenen Figuration im Werk Marc Gröszers spricht, bewegt sich bereits auf einer sprachlich übergeordneten Deutungsebene der Bildgegenstände. Ins Eigentliche gesprochen ist es der Körper, durch den und auf dem Gröszers künstlerische Schlachten geschlagen werden. Der fleischlich auswuchernde Fruchtbarkeitskörper des Weiblichen – der gewaltbereite, Gewalt ausübende männliche Körper. Diese Körper bewegen sich unterhalb und außerhalb der Demarkationslinien zivilisatorischer Geruchsempfindlichkeit. Sie sind – in einem durchaus alttestamentarischen Verständnis – ein Fleisch, ein gewordenes, ein in die Welt geworfenes. Ihr Geschlecht ist biologisch-anarchischen Ursprungs (sex) – die Ableitung aus dem kulturellen Diskurs (gender) eine sekundäre.

Entsprechend zeigen sich diese Körper mehr, als dass sie sich verhalten. Sie sind ganz Gegenwart. Ihre Psychologie ist deckungsgleich mit ihrer Erscheinung. Das gilt vor allem für die weiblichen Körper-Figuren Gröszers und ihre leibliche Präsenz. Ihrer fleischlichen Fülle scheint die biblische Formel der Erkenntnis eingeschrieben zu sein – als Vereinigung mit dem Bildträger und dem Auge des Betrachters. Die Erkenntnis des Betrachters adelt den Körper zum Leib und macht ihn erst welthaltig. Die Topographien des Körpers, die Grözser entwirft, verorten und verräumlichen diesen nicht nur (bisweilen erinnern seine Körperdarstellungen an mythische Landkarten oder Traumfade), sondern geben ihn auch der Verletzung preis: der verzweifelten Wollust schierer Fleischesfülle und dem unentrinnbaren Schmerz physischer Gebundenheit.“²

Velten Wagner


² Wagner, Velten: Der Prothesengott. In: EARLY BIRDS: MARC GRÖSZER, MORITZ SCHLEIME;[anlässlich der Ausstellung “Early Birds : Marc Gröszer, Moritz Schleime” 26.11.2011 – 15.01.2012 Städtisches Museum Engen+Galerie, ] / [Hrsg. Velten Wagner i.A. der Stadt Engen, Städtisches Museum+Galerie …] / [ISBN: 978-3-940351-03-6] / [S.21]